Selbstdarstellung der Freimaurerloge
"Armin zur Treue und Einigkeit"

Logenhaus: Große Bergstraße 133

Durch die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in der Verwaltungsstreitsache des Königlichen Polizeipräsidenten von Berlin gegen den Geh.Reg.Rat Prof. Dr. Settegast vom 2. April 1893 zu dessen Gunsten war das Recht zur Führung der Namen "Freimaurerloge" und "Bauhütte" für jedermann freigegeben.

Die dann erfolgten zahlreichen Neugründungen wurden von den etablierten vollkommen und gerechten Logen jedoch nicht anerkannt und wohl mit einem amüsiert mitleidigem Unterton als Winkel logen bezeichnet. Das wohl zu recht, denn bald nach der Gründung der sogenannten Winkelloge "Zur Treue und Einigkeit" am 9. Aug. 1898 in Altona wurden sich die Brüder bewußt, daß mit der Forderung, daß der Gewinn beim Kartenspiel während der Zusammenkünfte für mildtätige Zwecke auszugeben sei nicht ausreicht um Sinn und Zweck der Freimaurerei zu erfüllen.

Diese Erkenntnis löste einen Lernprozeß aus, der angetrieben vom Meister vom Stuhl, Br. Heinrich Tartsch, (Amtszeit von 1903 - 1922) zur Vervollkommnung des freimaurerischen Gedankengutes der Brüder und zur rituellen Arbeit nach einem von Br. Tartsch, in Anlehnung an Marbach und Schröder, geschaffenen Rituals führte. In der gewachsenen Gewißheit, daß es nur eine Freimaurerei gibt, strebten die Brüder das Ziel an, als vollkommene und gerechte Loge anerkannt zu werden. Der Weg dorthin zeigt die Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit.

Bijou




Am 9. Aug. 1898 Gründung der Loge "Zur Treue und Einigkeit". Anschluß an die ABL (Allgemeine Bürgerloge in Berlin)
1899 Anschluß an die ABL in Leipzig
1900 bis 1903 Matthai - Logenbund
1903 bis 1904 Symbolische Großloge des Schottischen Ritus in Deutschland
1904 bis 1907 Unabhängige Loge
1907 bis 1909 Bund unabhängiger Logen in Berlin.



Br. Tartsch

Am 6. Sept. 1909 war das Ziel erreicht. Die "Große Loge von Preußen Royal York" genannt "Zur Freundschaft" erteilte die Genehmigung zur Gründung der Johannisloge "Armin zur Treue und Einigkeit". Die Loge "Zur Treue und Einigkeit" löste sich auf. Am 13. 0kt. 1909 wurden 21 Brüder in die Loge "Roland" aufgenommen und bildeten als Tochterloge des Roland den Stamm für unsere heutige vollkommen und gerechte Loge. Mit dem neuen Anfang sollte auch ein neuer Name gewählt werden; und was lag näher, als mit den Tugenden Treue und Einigkeit den Namen des Mannes zu verbinden, der der Einiger der deutschen Stämme gewesen war; Arminius des Cheruskerhelden.

Mit dem neuen Namen "ARMIN ZUR TREUE UND EINIGKEIT" waren allen zufrieden; eine gerechte und vollkommene Loge war geboren. Am Sonntag, den 9. Januar 1910, nachmittags gegen 16:00 versammelten sich 180 Brüder zur Einweihung und Lichteinbringung im Logenhaus der Loge "Carl zum Felsen" in der Großen Bergstraße in Altona.

Als Mitglied der "Großen Loge von Preußen Royal York" genannt "Zur Freundschaft" arbeitete, die Loge nach derem (sog. Feßler'schen) Ritual. Die Loge entwickelte sich prächtig. Sowohl die freim. Aktivitäten als auch die gesellschaftlich - festlichen Veranstaltungen hatten ein positives Echo.


Mitgliederverzeichnis

1928 zählte die Loge 128 Mitglieder. Die Entwicklung in der Zeit von 1930-1935, bis zur Auflösung, bedarf keiner Erklärungen. 1m Mai 1945 suchten und trafen sich Vertreter der in Hamburg und Altona vor 1935 arbeitenden Logen der "Großen Loge von Preußen"; Globus, Roland, Armin, Konrad Ekhof und 3 Lichter am Wege, um einen neuen Anfang zu besprechen. Sie gründeten die "Freimaurerische Vereinigung zur Freundschaft". Am 4.05.1946 erfolgte der Anschluß an die "Große Loge von Hamburg" und mit dieser dann an die "Bundesgroßloge zu den Alten Pflichten". Als die Genehmigung zur Gründung der Bundesgroßloge von den Besatzungsmächten zurückgezogen wurde, erfolgte die Neugründung der Loge "Armin zur Treue und Einigkeit" am 27.08.1946.

Am 10. 0kt, 1947 wurde die Loge Mitglied der "Frankfurter Arbeitsgemeinschaft von Freimaurerlogen". Diese Arbeitsgemeinschaft löste sich am 18,6.1949 selbst auf und brachte sich mit ihren Mitgliedslogen in die am 19.06.49 in der Paulskirche zu Frankfurt gegründete" Vereinigte Großloge von Deutschland" ein.

Die weitere Entwicklung der Loge, einschließlich der stetigen personellen Erneuerung, vollzog sich reibungslos und immer mit dem Bestreben, Freimaurerische Werte und Erkenntnisse für den Einzelnen und sein Umfeld nutzbar zu machen. Die dazu erforderliche Unruhe und Spannung ergab sich einmal aus der Frage: Wie groß soll die Loge sein? Etwa 50-60 Brüder mit einem gesunden altersmäßigen Aufbau, um ein stetiges Arbeiten zu ge-währleisten, oder etwa 30 Brüder seien ausreichend; nach dem Motto: Wie fruchtbar ist der kleine Kreis, wenn man ihn wohl zu nutzen weiß.


Feßler - ein geistiger Vater unserer Loge

Ignaz Aurelius Feßler

Bis vor nur etwa 19 Jahren wurde beim "Armin" nach dem Feßlerschen Ritual gearbeitet. Deshalb sei diesem vielschichtigen Mann hier eine eigene Tafel gewidmet:
Der im Burgenland geborene Ignaz Aurelius Feßler besuchte Schulen in Preßburg und Raab, trat 1773 im Kloster Mór bei Stuhlweißenburg in den Orden der Kapuziner ein und wurde 1779 zum Priester geweiht. 1783 wurde er vom Kaiser zum ordentlichen Professor der orientalischen Sprachen und der Auslegung des Alten Testaments an der Universität Lemberg ernannt. In Lemberg wurde er auf eigenen Wunsch durch Pater Chrysologus aus dem Kapuzinerorden entlassen und ließ sich 1783 in die Freimaurerloge "Phönix zur runden Tafel" aufnehmen.

Im Jahr 1787 sah er sich wegen seines antijesuitischen Gedankenguts genötigt sein Amt niederzulegen und nach Breslau zu fliehen. Er fand dort Aufnahme bei dem Freimaurer und Fürsten Schönaich-Carolath in Glogau. Während dieser Zeit schrieb er unter anderem drei Bände über den letzten römischen Kaiser Marc Aurel.

1791 trat Feßler zum lutherischen Glauben über und verheiratete sich 1792. Seit 1796 lebte er in Berlin und war dort literarisch tätig.

In der preußischen Hauptstadt wurde er von der Freimaurerloge "Royal York" gemeinsam mit Johann Gottlieb Fichte beauftragt, die Statuten und das Ritual dieser Loge zu reformieren. Bei seiner Arbeit drängte er unter anderem erfolglos auf die Abschaffung der Hochgrade. Sein Feßlersches System wurde vielfach angefeindet. Deshalb trat er 1802 aus der "Royal York" aus und schloss sich daraufhin der Loge "Zu den drei Bergen" in Freiberg an. 1806 wurde er als Professor der orientalischen Sprachen und der Philosophie an die Alexander-Newskij-Akademie in Sankt Petersburg berufen, wo er am 15. Dezember 1839 starb.

Wie eingangs bemerkt, wurde in unserer Bauhütte noch bis 1990 regelmäßig auf der Basis des von Feßler im Auftrag von "Royal York" entwickelten Rituals gearbeitet.


Nachkriegsgeschichte und Wendejahre

Br. Bohnhorst

Bereits in den frühen Fünfzigern begann unter der Führung des damaligen Stuhlmeisters Hans Matthiessen das Logenleben wieder zu erstarken. Seit dem 26. Januar 1950 hatte die Loge mit dem interimistischen Logenhaus "Die Erholung" wieder eine feste Wirkungsstätte gefunden. Etwas völlig Neues für die Brüder waren die vom "Armin" ins Leben gerufenen Gästeabende. Der erste seiner Art fand am 30. Oktober 1953 unter reger Beteiligung von Brüdern und Gästen statt.

In diese Zeit fällt auch die Aufnahme unseres heutigen Alt- und Ehrenstuhlmeisters Karl-Heinz Bohnhorst, der mit seiner Zeichnung "Wie ich es sehe" im Jahr 1955 einen Paradigmenwechsel beim "Armin" einläutete.

1957 drohte dann beinahe die Auflösung der Loge, die allerdings mit der Wahl von Karl Heinz Bohnhorst zum bis dato jüngsten Stuhlmeister abgewendet werden konnte. In den folgenden Jahren wurde der "Armin" in liebevoller und teilweise sicher anstrengender Aufbauarbeit zu einer florierenden Loge. So wurde es möglich, durch geschicktes Netzwerken und das Pflegen vieler Logenfreundschaften, die Grundlage für eine kulturelle Blütezeit der Loge in den 60er und 70er Jahren zu legen. Dies ist auch unserem Ehrenmitglied Br. Rolf Appel zu verdanken. Er stand dem "Armin" zu dieser Zeit mit fundiertem und brüderlichen Rat zur Seite.

Nach Gründung der V.G.L.v.D. 1958 arbeitete die Loge "Armin" im Logenhaus an der Moorweide. Durch den Einzug in den Neubau des Logenhauses Welckerstraße Anfang der 70er Jahre fand die Loge schließlich eine neue Wirkungsstätte, in der wir bis heute arbeiten.

Erst im Jahre 1990 wechselte die Loge "Armin zur Treue und Einigkeit" nach angeregten Diskussionen vom stark christlich geprägten Ritual der "Großen Loge von Preußen" zum Ritual der Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland. Gemäß dem Empfinden einer Mehrheit der Logenbrüder, entspricht dieses Ritual eher einer modernen und pluralistischen Auffassung, wie sie sich auch in der heutigen Gesellschaft widerspiegelt.


Logenleben heute und Perspektiven

Die weitere Entwicklung der Loge, einschließlich der stetigen personellen Erneuerung, vollzieht sich vielversprechend und immer mit dem Bestreben, Freimaurerische Werte und Erkenntnisse für den Einzelnen und sein Umfeld nutzbar und vor allem auch erlebbar zu machen.

Die Altersstruktur unserer Loge umfasst heute volle drei Generationen, zur Zeit sind wir beim Armin 30 Brüder im Alter von 25 bis 85 Jahren, bei einem momentanen Altersdurchschnitt von 59 Jahren. Gerade in letzter Zeit verzeichnen wir einen regen Zuwachs an Suchenden und Aufnahmen, so dass wir einer mittelfristigen Verjüngung unserer Bauhütte zuversichtlich entgegensehen.

Teil unseres Logenlebens sind seit jeher sorgsam gepflegte Logenfreundschaften mit anderen Bauhütten. Besonders zu nennen sind dabei die fünf anderen Royal York Logen, mit denen wir jedes Jahr im November eine gemeinsame Arbeit nach dem entsprechenden Ritual begehen. Im Einzelnen sind das:

No. 342: Friederike zur Unsterblichkeit (Orient Stade)
No. 377: Ernst August Zum golden Anker
No. 441: Globus
No. 489: Roland
No. 601: Konrad Ekhof

Auch, oder besser gerade nach nunmehr 100 Jahren unermüdlicher Arbeit am rauhen Stein blicken wir voller Enthusiasmus und Tatendrang in die Zukunft. Sehr positive Resonanzen auf unsere aktuellen Gästeabende und ein ebenso reges, wie vielschichtiges Logenleben geben allen Grund uns auf die nächsten 100 Jahre Logengeschichte zu freuen.

© 2011 Armin zur Treue und Einigkeit